Betritt man über eine Seitengasse, direkt am Canale Grande, den nicht sehr großen Raum von „Harry’s Bar“, fühlt man sich sogleich in frühere Zeiten versetzt. Damals, in den 1950er Jahren, als das Dolce Vita gerade erfunden wurde, saßen hier Stars wie die legendäre Opernsängerin Maria Callas, die durch eine Rollen-Übernahme im Teatro la Venice international berühmt wurde. Aber auch schon früher gingen hier Promis ein und aus, unter anderem der US-Schriftsteller Ernest Hemingway, der hier den einen oder anderen Drink konsumierte und dabei Stammgäste in lautstarke Gespräche verwickelt haben soll.
Erstaunlicherweise wurde auch ein Getränk aus diesem Lokal so weltbekannt wie seine Gäste: gemeint ist der Bellini. Das Rezept klingt denkbar einfach, aber die Zutaten müssen von allerhöchstem Rang sein; und die Temperaturen seien das A und O, so erklärte es mir der diensthabende Barkeeper am schmucken Marmor-Tresen bei meinem zweiten Besuch. Man benötigt pro Glas etwa 30 ml Pfirsichpüree und 100 ml Prosecco. Der Haken an den Sache ist, es darf kein banaler Pfirsichsaft aus der Flasche sein und das Püree soll unbedingt von weißen (!) Pfirsichen stammen. Nachzulesen ist all das in einem schönen Büchlein von Arrigo Cipriani mit dem Titel Harry’s Bar (Serie Piper).
Dort findet man auch einen weiteren Klassiker des Hauses, der auf vielen Speisekarten gelandet ist, mittlerweile sogar in den Kühlregalen von Supermärkten: Carpaccio, also hauchdünnes, rohes Rinderfilet. Hier serviert man es mit einem Gittermuster aus hausgemachter Spezial-Mayonnaise. Aber das ist ein anderes Thema.
