14. September 2025

In einer anderen Welt

Es gibt in Frankfurt am Main einen verwunschenen Ort, der leider kein Geheimtipp mehr ist. Früher war dort alles noch etwas kleiner und verträumter, weniger professionell, heute läuft es dagegen strukturierter ab und die Räumlichkeiten haben sich deutlich vergrößert, gemeint ist das Liebieghaus in Sachsenhausen mit seinem Café.

Das Liebieghaus wurde 1896 als repräsentative Villa inmitten einer Parkanlage für den Fabrikanten Heinrich Baron von Liebieg erbaut, der Architekt war Leonard Romeis. Das Gebäude ist ein Herrensitz, beinahe ein kleines Schloss im Stil des Historismus, mit Elementen von Spätgotik und Renaissance, ein beliebter Stilpluralismus jener Zeit. 1908 wurde das Gelände erstmalig um einen Gartentrakt erweitert und bereits 1909 etablierte sich hier das Museum für alte Plastik. In den späten 1980er-Jahren erhielt die Villa einen modernen Ergänzungsbau und heute nennt sich der Komplex Liebighaus Skulpturensammlung. Dort kann man plastische Kunstwerke von der Antike bis zur Gegenwart bestaunen – zurzeit läuft eine Ausstellung mit Werken von Isa Genzken, die spannende Bezügen zwischen den Arbeiten und Epochen herstellt.

Unbedingt erlebenswert ist das Café im Liebighaus, welches mit einem wunderschönen Hof und ansprechenden Räumlichkeiten aufwartet, unter anderem einem Kaminzimmer sowie einer kleinen Bibliothek. Das gastronomische Angebot ist hochwertig und wird von freundlichen Personen (in der Regel sind das jüngere Aushilfen) an einer Selbstbedienungstheke durchgeführt. Das ist der einzige Wermutstropfen, würde ich sagen, denn an schöne Tagen bilden sich dort meterlange Schlangen und es geht nur schleppend voran. Die Qualität der Produkte ist aber durchweg hoch und so kann man schlussendlich frischgebackene Kuchen, kleine (auch warme) Snacks, Tee, Kaffee, Säfte und ausgewählte Weine in schöner Atmosphäre erleben. Es wird auch Frühstück angeboten und so konnte ich kürzlich fluffige Pancakes mit frischen Beeren, Banane und Agavensirup genießen – lecker. Auch zum Arbeiten kann man hier gut hinkommen, auch wenn kleine Schilder darauf hinweisen, dass eine Auszeit ohne Laptop und Kollegen der eigentliche Sinn dieses Ortes ist.

Café im Liebighaus