26. Oktober 2025

An der Küste entlang

Weiter gings über den Vesuv und das ausgegrabene Pompeji bis nach Sorrent. Die Stadt liegt auf einem Felsplateau und bietet eine umwerfende Aussicht auf den Golf von Neapel. Das einstige Winterexil wohlhabender Engländer ist vom Massentourismus nicht verschont geblieben. Zitronen an jeder Ecke! Auf Geschirrtüchern, Schürzen, im Badeschaum oder natürlich als Limoncello. Der Zitronenlikör ist hier besonders populär, denn auf der Landzunge gedeiht die empfindliche Frucht ganz wunderbar, auch wenn die Zitronen aus der Region um Amalfi noch größer und legendärer sind. Für einen guten Limoncello benötigt man nur wenige Zutaten: Wasser, Zucker, hochprozentigen Alkohol und natürlich Zitronen – genauer gesagt, nur deren gelbe Schale. Salute!

Der Anspruch und das Bewusstsein der Erzeugerinnen und Erzeuger in dieser Region ist besonders ausgeprägt, hier wird Slow Food großgeschrieben und gefördert. Die engagierte Gegenbewegung zum globalisierten Fast Food wurde bereits in den 1980er-Jahren von einem Italiener gegründet und hat viele hochwertige Produkte, z.B. die San-Marzano-Tomate, hervorgebracht.

An der „Costiera Amalfitana“ ging die Rundreise weiter. Der von der UNESCO geschützte Küstenabschnitt gehört vermutlich zu den schönsten Landschaften Italiens. Auf der schmalen Straße geht’s vorbei an Orten wie Positano und Praiano, bis hin nach Amalfi. Die einstige Seefahrerstadt besitzt einen schönen Dom mit arabischen Einflüssen, ist aber ziemlich überlaufen. Und so ging ich durch einen versteckt gelegenen Fußgängertunnel in den Nachbarort Atrani und setzte mich mit einem belegten Panino (siehe Foto) in eine Bar ans Meer – das war Entschleunigung pur.

Deutlich ruhiger geht’s auch im Gebiet Cliento zu. Weiter südlich, an Salerno vorbei, erreicht man irgendwann die berühmte Ausgrabungsstätte von Paestum. Hier kann man sehr gut erhaltene griechische Tempel bestaunen, so wie einst schon Goethe. Die Spezialität in dieser Region ist der hochwertige Mozzarella aus Büffelmilch. Und so konnte ich den frischen Käse, der sich in dieser Qualität nur zwei Tage hält, zusammen mit Ricotta, frisch gebackenem Focaccia und sonnengereiften Tomaten, bei der Verkostung auf einem Erzeugerhof genießen. Der Frischkäse ist hier deutlich cremiger und aromatischer – und weniger zäh als die meisten Supermarktprodukte, die in der Regel erhitzt, also pasteurisiert, werden.

Il Granato – Produkte aus Büffelmilch